Die Verpackungs- und Verpackungsabfallverordnung (PPWR) verändert den Umgang europäischer Unternehmen mit Industrieverpackungen. Recyclingfähigkeit bleibt zwar ein wichtiger Faktor, doch Unternehmen müssen künftig auch Aspekte wie Verpackungsvermeidung, Wiederverwendung und Materialeffizienz berücksichtigen. Für Kunststoffverarbeiter, Compoundeure, Extrudeure und Spritzgießer stellt sich daher eine zentrale Frage: Wie lässt sich die Anzahl der pro Tonne Material eingesetzten Big Bags reduzieren, ohne dabei Sicherheit, Qualität oder Produktionskontinuität zu beeinträchtigen?
Der erste Schritt besteht darin, den bestehenden Prozess zu analysieren. Wie oft wird ein Big Bag wiederverwendet? Warum wird er letztendlich ausgemustert? An welchen Stellen entstehen Schäden, und wie viel Material geht durch Verschütten oder unvollständige Entleerung verloren? Ein wiederverwendbarer Big Bag bietet nur dann einen echten ökologischen Mehrwert, wenn er in der Praxis möglichst oft eingesetzt werden kann.
Verlängerung der Lebensdauer von Big Bags
Bei herkömmlichen Umschlagverfahren wirken hohe Kräfte auf die Hebeschlaufen und andere belastete Bereiche des Big Bags. Verformungen, die Lagerung ohne Unterlage sowie wiederholtes Anheben können die Lebensdauer eines Big Bags erheblich verkürzen. Der NEVA Big-Bag-Carrier stützt den Big Bag während der Lagerung, des innerbetrieblichen Transports und der Entleerung. Dadurch werden die Hebeschlaufen und der Big Bag selbst entlastet, was zu einem stabileren, sichereren und kontrollierteren Materialumschlag beiträgt. Das System eignet sich für Materialien wie Pellets, Granulate, Flocken, Pulver, Harze und Additive.
Nach den Betriebserfahrungen von Indus kann ein Big Bag, der unter normalen Bedingungen etwa zweimal verwendet wird, unter geeigneten Einsatzbedingungen bis zu zehnmal wiederverwendet werden.
Pro 1.000 Befüll- und Entleerungszyklen würde sich der Verbrauch dadurch von 500 auf 100 Big Bags reduzieren. Das entspricht einer Verringerung des Verpackungsverbrauchs um 80 %. Die tatsächlichen Ergebnisse hängen unter anderem von der Ausführung des Big Bags, den Sicherheitsanforderungen, dem verarbeiteten Material, den Hygienevorschriften und den jeweiligen Prüfverfahren ab.
Verhinderung von Produktverlusten
Eine bessere Abstützung des Big Bags kann zudem das Risiko von Beschädigungen, Instabilität und Materialverlusten verringern. Das ist besonders wichtig, da die Umweltauswirkungen von verlorenem Granulat, Compounds oder Additiven häufig deutlich größer sind als die des Big Bags selbst. Materialverluste führen nicht nur zu Produktverlusten, sondern auch zu Reinigungsaufwand, Entsorgungskosten, Produktionsausfällen und zusätzlichem Transportaufwand.
Unternehmen können die Auswirkungen von Materialverlusten mit einer einfachen Formel abschätzen: Vermeidbare Emissionen = vermiedener Produktverlust × CO₂-Fußabdruck des Materials
Wird beispielsweise der Verlust von 100 kg Material mit einem CO₂-Fußabdruck von 2,5 kg CO₂e pro Kilogramm vermieden, können rund 250 kg CO₂e eingespart werden – ohne Berücksichtigung der zusätzlichen Emissionen durch Reinigungsarbeiten oder Ersatztransporte.
Die EU-Verordnung 2025/2365 zur Vermeidung von Kunststoffgranulatverlusten legt den Schwerpunkt noch stärker auf einen kontrollierten Umgang mit Kunststoffgranulat entlang der gesamten Lieferkette. Sie führt Anforderungen ein, die darauf abzielen, das Austreten von Granulat in die Umwelt zu verhindern. Auf die Verordnung und ihre praktischen Auswirkungen gehen wir in einem separaten Artikel näher ein.
Lager- und Transportraum effizienter nutzen
Das NEVA Big-Bag-System verbessert zudem die Raumnutzung. Beladene Systeme können sicher vertikal gestapelt werden, während sich leere Systeme platzsparend zerlegen und lagern lassen. Je nach Konfiguration können NEVA-Systeme bis zu sieben Meter hoch gestapelt werden und benötigen im zerlegten Zustand bis zu 90 % weniger Lagerplatz. Dadurch lassen sich interne Transportwege verkürzen, der Bedarf an externen Lagerflächen reduzieren und unnötige Materialtransfers vermeiden.
Auch leere Big-Bag-Systeme können effizienter zurücktransportiert werden. Der tatsächliche Emissionsvorteil hängt von den unternehmensspezifischen Transportwegen, der Auslastung der Transporte und dem Energieverbrauch ab und sollte individuell berechnet werden.
Inwiefern gilt die PPWR für NEVA?
Im Rahmen der üblichen industriellen Anwendung betrachten Indus und seine PPWR-Berater, darunter Verpact, NEVA derzeit eher als langlebiges Handhabungs- oder Betriebsmittel denn als Verpackung. Die endgültige Einstufung nach der PPWR hängt jedoch stets von der tatsächlichen Funktion des Produkts im jeweiligen Anwendungsfall ab.
Wird ein NEVA-System zwischen Lieferant und Kunde eingesetzt und dient es während des Transports der Stabilisierung oder dem Schutz der Ware, kann diese spezifische Anwendung unter Umständen als Transportverpackung eingestuft werden.
Wird das NEVA-System als Verpackung eingestuft, können die Anforderungen unter anderem technische Dokumentationen, Angaben zu den enthaltenen Stoffen, den Nachweis der Recyclingfähigkeit, eine Konformitätsbewertung sowie eine EU-Konformitätserklärung umfassen.
Bessere Verpackungen beginnen mit einer besseren Handhabung
Die PPWR fordert Unternehmen dazu auf, über die Verpackung selbst hinauszudenken und den gesamten Handhabungsprozess zu betrachten. Bei Big Bags hängt eine erfolgreiche Wiederverwendung davon ab, wie sie befüllt, abgestützt, gelagert, transportiert, entleert, geprüft und zurückgeführt werden. Durch die Verringerung mechanischer Beschädigungen, die Vermeidung von Produktverlusten und die Optimierung der Logistik kann eine bessere Handhabung die tatsächliche Wiederverwendung erhöhen und den Verpackungsverbrauch messbar reduzieren.
Für europäische Kunststoffverarbeiter geht es dabei nicht nur um die Einhaltung gesetzlicher Vorgaben. Es bietet auch die Chance, Materialverbrauch, Emissionen und Betriebskosten nachhaltig zu senken.